Einstiegsgehalt

"Absolventen müssen wissen, in welcher Gehaltsliga sie spielen"

"Absolventen müssen wissen, in welcher Gehaltsliga sie spielen"

Absolventen und Young Professionals fällt es oft schwer, einen realistischen Gehaltswunsch zu definieren. Die Jobbörse ABSOLVENTA hilft das Thema ins rechte Licht zu rücken. Wir sprachen mit Daniel Rettig, 27, Redakteur der WirtschaftsWoche im Ressort "Beruf + Erfolg" über seriöse Gehaltsrechner, die Gehaltsverhandlung und den besten Zeitpunkt dafür.

Wenn ich mir als Absolvent oder Young Professional Gehaltsrechner anschaue, um meinen eigenen Gehaltswunsch zu formulieren, worauf muss ich achten?

Der Teufel steckt hier im Detail. Es gibt einige Kriterien, die auf eine seriöse Studie hindeuten. Wie viele Daten wurden ausgewertet? Sind die Tabellen in unterschiedliche Branchen aufgeteilt? Werden regionale Gehaltsunterschiede berücksichtigt? Wenn alle diese Fragen mit ja beantwortet werden, bekommen Absolventen und Young Professionals sicher einen ganz guten Überblick. Aber natürlich geben alle Studien immer nur einen gewissen Rahmen vor – ob man das angegebene Gehalt dann tatsächlich bekommt, steht auf einem anderen Blatt.

Wie kann ich mit den Erkenntnissen in der Gehaltsverhandlung argumentieren?

Die richtige Vorbereitung ist das A und O. Wer sich um seinen ersten Job bewirbt, muss vorher wissen, in welcher Gehaltsliga er spielt. Greift man zu hoch, fällt man in der Regel gleich durch das Bewerber-Raster. Zu niedrig sollte man aber auch nicht gehen – das signalisiert unterschwellig: „Mehr bin ich auch nicht wert.“

Wie oft sollte ich generell mein Gehalt verhandeln?

Die Faustregel ist eigentlich: alle zwei Jahre kann man über sein Gehalt verhandeln – natürlich unter der Voraussetzung, dass die Zeiten gut sind. Dieses Jahr wäre also eher schlecht. Nach einem erfolgreichen Projekt sofort nach mehr Gehalt zu rufen, halte ich für das falsche Signal – das wirkt sehr egoistisch. Nach einer Serie von Erfolgen hat man hingegen alle Argumente auf seiner Seite.

Angenommen ich habe seit meinem Berufseinstieg drei Jahre gearbeitet. Kann ich nun als Young Professional wesentlich mehr Gehalt fordern oder muss ich dazu die Firma wechseln?

Nach drei Jahren sollte man aktiv nach mehr Gehalt fragen, solange die eigene Leistung stimmt. Erstens, weil das dokumentiert, dass man seinen Wert kennt und dafür kämpft. Zweitens, weil eine Jobzäsur immer ein guter Aufhänger ist, über neue Perspektiven, Ziele und mehr Verantwortung zu sprechen – und damit auch mehr Geld. In der Regel kann man mit einem Jobwechsel fast immer sein Gehalt steigern – wenn auch nur moderat.

Wir sind mitten in einer Finanzkrise. Kann ich jetzt überhaupt mein Gehalt verhandeln?

Ein klares Jein. Natürlich ist die derzeitige Lage am Arbeitsmarkt, vorsichtig ausgedrückt, nicht die beste für solche Verhandlungen. Die meisten Einsteiger sind ja glücklich, überhaupt einen Job zu finden; alle anderen sind erleichtert, ihren zu behalten. Daher wird wohl momentan niemand auf die Idee kommen, beim Gehaltsgespräch hoch zu pokern. Andererseits zeigen Gehaltsstudien immer wieder, dass es für einige wenige noch etwas mehr gibt – etwa Wirtschaftswissenschaftler, Juristen oder Mediziner. Wer aber nicht in den gefragtesten Fachrichtungen studiert hat, dem würde ich derzeit zu Bescheidenheit raten.

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