Frauen-Power

Firmen mit Frauen in der Geschäftsführung sind erfolgreicher

Firmen mit Frauen in der Geschäftsführung sind erfolgreicher

Frauen und Karriere? Auch 2017 ist es nach wie vor wichtig darüber diskutieren, denn gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Frauen – gerade in Führungspositionen – liegen auf dem aktuellen Arbeitsmarkt noch nicht vor. Sehr zum Nachteil der Unternehmen. Denn Firmen mit Frauen in Führungspositionen behaupten sich erfolgreicher im Markt als Unternehmen mit einer rein männlichen Führungsetage.

Inhalt

  1. Die Lage für Frauen auf dem Arbeitsmarkt 2017
  2. Spagat für Frauen zwischen Kindern und Karriere
  3. Vorteil für Firmen mit Frauen in Führungspositionen
  4. Wirkliche Veränderung – Fehlanzeige

Die Lage für Frauen auf dem Arbeitsmarkt 2017

Anlässlich des Weltfrauentags hat das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung die Arbeitssituation von Frauen mit Kindern in Deutschland dargestellt. Die Angaben machen dabei eine Situation sehr deutlich:

  • Haben Frauen Kinder unter drei Jahren, gehen nur 10 Prozent einer Erwerbstätigkeit in Vollzeit nach. Bei Männern liegt der Anteil bei rund 83 Prozent.
  • Bei rund der Hälfte der jungen Familien ist der Vater voll berufstätig und die Frau ist nicht erwerbstätig.
  • Die umgekehrte Situation – der Mann ist zu Hause und die Frau arbeitet Vollzeit – trifft nur in zwei Prozent der Fälle zu.

Damit zeigt sich, dass sich das Rollenbild unserer Großeltern – Väter sind Ernährer, Mütter kümmern sich um Kinder und Haushalt – nicht verändert hat. Das gleiche Bild spiegelt sich auch bei der weiteren Karriereentwicklung von Frauen wider: 70 Prozent der Mütter steigen wieder in den Beruf ein, wenn die Kinder in den Kindergarten oder in die Schule gehen. Dennoch arbeiten gerade einmal 30 Prozent wieder Vollzeit und haben damit reelle Chancen auf leitende Positionen im Unternehmen.

Es scheint deswegen nicht verwunderlich, dass im Jahr 2015 nur 660.000 von insgesamt 3,65 Millionen Firmen im Mittelstand von Frauen im Management geleitet wurden. Der Großteil kommt dabei von Dienstleistern mit weniger als fünf Mitarbeitern. In anderen Worten: Unternehmen – vor allem große – werden nach wie vor von Männern geleitet. Unsere Wirtschaft ist damit fest in Männerhand.

Spagat für Frauen zwischen Kindern und Karriere

Sehen das eigentlich Frauen auch so? Die ganz klare Antwort ist: Ja. Obwohl immer mehr junge Frauen sehr gut ausgebildet sind und sich als selbstbewusst und emanzipiert mit dem Ziel der finanziellen Unabhängigkeit sehen, machen sie doch eine Ungerechtigkeit in ihren Karrieremöglichkeiten aus. Auch 2016 haben sie nach wie vor das Gefühl, sich an einem Punkt zwischen Karriere und Kind entscheiden zu müssen. Denn sobald Kinder ins Spiel kommen, setzt eine Retraditionalisierung der Geschlechterrollen ein und Frauen übernehmen den Hauptanteil in der Kinderbetreuung – und reduzieren dafür Arbeitszeit. Dadurch ist das Thema Kinder bekommen für junge Frauen in Deutschland nicht mehr selbstverständlich, sondern sorgenbehaftet, wie Prof. Dr. Carsten Wippermann in der Studie „Was junge Frauen wollen” herausstellt. Berufstätige Frauen sehen diese Aufteilung in traditionelle Geschlechterrollen vor und nach der Familiengründung im Freundes- oder Familienkreis. Die Logik dahinter ist oftmals immer noch: Es geht derjenige zur Arbeit, der im Job mehr Geld mit nach Hause bringt – und das ist in der Regel der Mann.

Frauen sehen vor allem Politik und Arbeitgeber in der Verantwortung, dieses Problem zu lösen, indem:

  1. Das Angebot an Krippenplätzen ausgebaut werden muss.
  2. Kitas und Kindergärten an die Ansprüche erwerbstätiger Frauen angepasst werden müssen.
  3. Kitaplätze für Eltern kostenlos sein müssen.
  4. Arbeitgeber eine individuelle Flexibilität von Arbeitszeit, Arbeitspensum und Arbeitsort fördern.

Nur so erhalten Frauen die Möglichkeit, auch mit Familie weiterhin voll berufstätig zu sein und ihre Karriere selbstbestimmt zu steuern – und davon profitieren nicht nur Frauen, sondern auch Unternehmen und unsere Wirtschaft.

Vorteile für Firmen mit Frauen in Führungspositionen

Viele große und bekannte Unternehmen präsentieren sich in der Öffentlichkeit gern als liberal. Doch spätestens bei der Besetzung von Führungspositionen stößt das Leistungsprinzip oftmals an seine Grenzen. Wie anfangs aufgezeigt, finden sich auch in Deutschland in den meisten Unternehmen stark männerdominierte Führungsetagen. Das heißt, Unternehmen werden nur rudimentär von Frauen im Management geführt. Ein grober Fehler, wie die Studie des „Credit Suisse Research Institut“ bestätigt.

In der 2014 veröffentlichten Studie mit dem Titel „The CS Gender 3000: Women in Senior Management“ wurden über 3.000 Unternehmen in 40 Ländern, die über ein durchschnittliches Eigenkapital von über 10 Milliarden Dollar verfügen, von einem Forschungsinstitut in Johannisburg untersucht. Im Jahr 2016 wurden, aufbauend auf diesen Ergebnissen, die gleichen Unternehmen noch einmal befragt. Dabei zeigte sich deutlich: Unternehmen mit Frauen in der Geschäftsführung verbuchen bis zu 26 Prozent mehr wirtschaftlichen Erfolg als Unternehmen mit einem homogen männlichen Führungsstab. Während der jährliche Nettogewinn ihrer Mitbewerber bei 10 Prozent liegt, verbuchen weibliche Führungskräfte 14 Prozent Gewinnzuwachs für sich.

Das läge vor allem an folgenden zwei Gründen:

Frauen im Vorstand sorgen für bessere Renditen

Die Aktien von Unternehmen mit gemischter Führungsetage erzielten in den vergangenen Jahren bessere Werte als der Rest. Diese Firmen glänzen mit besseren Eigenkapitalrenditen, einem niedrigen Verschuldungsgrad und verzeichnen zudem ein schnelleres Wachstum.

Weibliche Führungskräfte riskieren weniger

Weibliche Führungskräfte seien tendenziell etwas risikoscheuer als ihre männlichen Kollegen, erklärt die Verfasserin der Studie Mary Curtis in einem Interview. Daher seien diese Unternehmen im Durchschnitt weniger von Verschuldungen betroffen. Dies sieht Curtis als einen der ausschlaggebenden Gründe für den wirtschaftlichen Erfolg jener Firmen. In gemischten Teams bringen Frauen zusätzliche Führungsqualitäten ein, von denen die Unternehmen profitieren.

Wirkliche Veränderung – Fehlanzeige

Positiv ist: Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit sind als öffentliche Debatten in den letzten Jahren kontinuierlich aktuell. Und auch die Politik hat mit der Einführung der Frauenquote 2015 und dem Elterngeld deutliche Wegweiser in eine Richtung gesetzt. Ebenso zeichnet sich ab, dass der Frauenanteil in Führungspositionen zunimmt und Unternehmen bestrebt sind, durch Maßnahmen die Familien- und Karriereplanung zu fördern. Dennoch liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Deutschland 2017 bei niedrigen 22 Prozent und die vorliegenden Studien und Untersuchungen zeichnen das gleiche Bild auf: Eine wirkliche Veränderung für das Thema Frauen, Familie und Karriere liegt leider immer noch nicht vor. Dadurch ist es umso wichtiger, dass sich bereits erfolgreiche Frauen und Männer für Gleichberechtigung einsetzen und wertvolle Maßnahmen und Veränderungen auf den Weg bringen.

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Quellen:

  • https://www.merkur.de/leben/karriere/mittelstand-ein-fuenftel-aller-fuehrungskraefte-sind-frauen-zr-7503362.html
  • http://publications.credit-suisse.com/tasks/render/file/index.cfm?fileid=5A7755E1-EFDD-1973-A0B5C54AFF3FB0AE
  • https://publications.credit-suisse.com/tasks/render/file/index.cfm?fileid=8128F3C0-99BC-22E6-838E2A5B1E4366DF
  • Prof. Dr. Carsten Wippermann: „Was junge Frauen wollen”. Friedrich-Ebert-Stiftung unter http://library.fes.de/pdf-files/dialog/12633.pdf

Über den Autor

Noemi Haderlein
Noemi Haderlein

Als Content Managerin kümmert sich Noemi Haderlein seit 2015 um die Inhalte von ABSOLVENTA und schreibt zu allen Themen, die Studenten und Berufseinsteiger rund um Studium, Bewerbung und ersten Job interessieren.

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