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Burnout-Syndrom: Was du wissen solltest

Burnout-Syndrom: Was du wissen solltest

Burnout oder „Ausgebranntsein“ beschreibt einen Zustand von totaler körperlicher und vor allem emotionaler Erschöpfung. Quer durch die Gesellschaft sind alle Gruppen betroffen: Schüler genauso wie Senioren, Angestellte wie Chefs und Arbeitslose wie Profi-Sportler. Wir informieren über Symptome, Prävention und Behandlungsmethoden.

Inhalt:

  1. Definition
  2. Abgrenzung Stress & Depression
  3. Risikogruppen
  4. Ursachen
  5. Symptome & Verlauf
  6. Behandlungsmethoden
  7. Prävention
  8. Rechtliches

Was ist Burnout überhaupt?

Bereits 1974 hat der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger den Begriff Burnout geprägt, nachdem ihm aufgefallen war, dass vor allen Menschen in helfenden Berufen wie Ärzte, Lehrer oder Pflegebedienstete häufiger krankgeschrieben und in psychischer Behandlung sind. Seiner Meinung nach liegt das daran, dass in diesen Berufen eine sehr hohe Arbeitsbelastung mit einem hohen persönlichen Engagement verbunden ist. Im Laufe der Zeit haben sich Dutzende bedeutungs-ähnlicher Begriffe entwickelt, von denen die „Erschöpfungs-Depression“ wohl am treffendsten ist. Prof. Dr. Volker Faust, Medizinaldirektor im Ruhestand und Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Experte auf dem Gebiet „Burnout“, schlägt folgende Begriffskette für den Burnout-Zustand vor: erschöpft – verbittert – ausgebrannt.

Genaue Zahlen zum Thema Burnout existieren bis dato nicht. Prof. Dr. Faust kennt den Grund dafür: „Burnout ist ein heimliches Leidensbild – kaum jemand outet sich freiwillig“. Experten nehmen jedoch an, dass durch sich verändernde Lebens- und Arbeitsbedingungen in einer Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint, die Anzahl der Burnout-Erkrankungen angestiegen ist und in Zukunft noch weiter ansteigen wird.

Stress vs. Burnout vs. Depression

Es gibt Stimmen, die Burnout für eine Erfindung halten und mit Stress oder Depression gleichsetzen. Diese Begriffe sollte man aber nicht vermischen, denn es ist ein riesiger Unterschied, ob man einfach nur mal Stress hat, in einer lebensbedrohlichen Depression steckt oder durch Überforderung und Erwartungsdruck zusammenbricht. Auch können Maßnahmen gegen vermeintlichen Burnout wie länger schlafen oder kürzer treten sehr gefährlich sein, falls sich dahinter eine Depression verbirgt. Fakt ist: Treten Symptome auf, die Burnout oder Depression andeuten, ist eine genaue Diagnose sehr wichtig, um eine effektive Behandlung gewährleisten zu können. 

Risikogruppen für Burnout

Wer bekommt Burnout? Das lässt sich natürlich nicht pauschal beantworten – grundsätzlich sind in der heutigen Zeit alle gefährdet, vom Anwalt bis zum Zahnarzt. Häufig sind Erkrankungen in der Mittel- und Oberschicht zu finden. Auch charakterlich gibt es Tendenzen, wie Prof. Dr. Faust weiß: Die „echten Ausbrenner“ und die „Verschlissenen“ sind besonders gefährdet. Bei Ersteren handelt es sich um dynamische und zielstrebige Persönlichkeiten, die an quasi selber geschaffenem Stress zugrunde gehen. Man kann hier von Perfektionisten sprechen, die überehrgeizig sind und daher bei Nichtgelingen einer Aufgabe in ein tiefes Loch fallen. Bei der zweiten Gruppe handelt es sich um diejenigen, die eher passiv und wenig durchsetzungsfähig sind. Beide Gruppen haben das Problem, nicht Nein sagen zu können, und werden so Opfer der äußeren Umstände. Zudem gebe es die „Trittbrett-Fahrer“, die Burnout vortäuschen, um zum Beispiel eine lange Krankschreibung zu bekommen. Und auch Personen mit einem sogenannten Helfersyndrom leiden häufig unter Burnout. Diese Menschen verteilen besonders viel Zuneigung, die sie eigentlich gerne selbst erfahren würden.

Ursachen von Burnout

Eine persönliche Ursache von Burnout ist häufig der Rollenkonflikt zwischen Wunschbild und Realität. Wenn die Erwartung besonders groß und schön ist und das tatsächliche Bild eher ernüchternd, können insbesondere ängstliche und wenig selbstbewusste Personen schnell sehr enttäuscht sein. Diese Enttäuschung kann die Basis für Burnout sein. Das trifft auch selbstbewusste Personen: Wenn die Belastung höher als die persönliche Widerstandsfähigkeit ist, steigt die Gefahr einer Burnout-Erkrankung.

Gesellschaftliche und soziale Gründe können beispielsweise familiäre oder auch arbeitstechnische Probleme sein. Ein neuer Arbeitsplatz, ein Chef, der sehr hohe Anforderungen stellt, oder Aufgaben, die in den Augen des Mitarbeiters bedeutungslos sind, sind typische Auslöser für Burnout. Ein Angestellter, der geistig nicht gefordert wird, da er die immer gleichen Routineaufgaben verrichtet oder gegen seine eigenen Wertvorstellungen agieren muss, um eine Aufgabe zu erfüllen, ist ebenso gefährdet. Wenige soziale Kontakte, eine zerbrechende Familienstruktur oder ein persönlicher Rückschlag können Personen, die die oben genannten Charakterzüge haben, aus der Bahn werfen.

Experte Prof. Dr. Faust schätzt die Ursachen speziell im Bereich Karriere folgendermaßen ein:

Wir leben nun mal in einer Leistungsgesellschaft, damit muss man sich abfinden. Das tun auch die meisten. Im Grunde wollen Mitarbeiter nicht nur einen sicheren Arbeitsplatz mit einem ordentlichen Einkommen, sondern auch viele weitere Dinge wie Gestaltungsspielraum und Anerkennung. Und durchaus auch Kritik, aber berechtigt muss sie sein. Man hat jedoch den Eindruck, dass der verantwortungsvolle Umgang mit den Mitarbeitern langsam verloren geht. Dabei fördert genau dieser Aspekt den Erfolg eines Unternehmens auf Dauer, das weiß man schon lange – es wird nur immer wieder vergessen, verdrängt oder mutwillig zur Seite geschoben, weil die Arbeitgeber egoistische Interesse haben.

Symptome und Verlauf des Burnout-Syndroms

Ein erstes Anzeichen ist häufig ein extremes Engagement in einer Sache, zum Beispiel dem Beruf. Typisch sind ein vermehrter Einsatz, freiwillige Mehrarbeit, der subjektive Eindruck der eigenen Unentbehrlichkeit. Durch pausenloses Arbeiten fühlt sich der Betroffene unentbehrlich und zeigt das auch nach außen. Er gönnt sich keine Erholungsphasen und macht seine Arbeit zu seinem absoluten Lebensinhalt. Er schränkt seine sozialen Kontakte ein und ist chronisch überarbeitet, erschöpft und müde, denn natürlich reagiert der Körper auch auf die Dauerbelastung. Das führt zu Konzentrationsschwäche und einem Leistungsabfall bei der Arbeit. Diese Personen sind dann auch deutlich anfälliger für Süchte wie Nikotin, Alkohol, Aufputschmittel oder Medikamente.

Die Phasen von völliger Hingabe zu totalem Rückzug folgen aufeinander und münden in einer Grundtraurigkeit und Angst. Der Betroffene hat das Gefühl, nie mehr richtig Zeit zu haben, und keinerlei positive Gefühle gegenüber dem Leben. Er schottet sich von seinem Umfeld ab und wechselt zwischen aggressiven und depressiven Phasen. Schon Reden oder Zuhören sind für Burnout-Betroffene nahezu unüberwindbare Hindernisse.

So sehen die Phasen aus, die jemand auf dem Weg in den Burnout durchläuft:

Phase 1: Enthusiasmus

Eine Person startet mit großer Begeisterung, Idealismus und guten Vorsätzen in einen Job, ist dabei proaktiv, dynamisch, aktiv, zupackend und ideenreich.

Phase 2: Stagnation

Die Person merkt, oder denkt zumindest, dass ihre Arbeit keine große bzw. nicht die erhoffte Wirkung hat. Trotzdem macht sie weiter und bekommt auch körperliche Symptome zu spüren, wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Schlafstörungen. 

Phase 3: Frustration

Der ganze Einsatz und die Hingabe haben nicht die große Wirkung gezeigt. Das kann frustrieren. Eine von Burnout ergriffene Person beginnt dann häufig Klienten und Mitarbeitern gegenüber zynisch und abweisend zu reagieren.

Phase 4: Apathie

Das Burnout-Syndrom ist in dieser Phase kaum noch aufzuhalten. Der Betroffene ist völlig demotiviert und kann seine Arbeit nur noch unter großem Selbstzwang verrichten. Er wirkt phlegmatisch und antriebslos.

Phase 5: Burnout

Der Erkrankte zieht sich zurück, nimmt kaum noch soziale Kontakte wahr, ist niedergeschlagen und sieht keinen Sinn mehr in seiner Arbeit und seinem Dasein. Das Ende ist charakterisiert durch Resignation, Erschöpfung, Entmutigung, leichte Kränkbarkeit, Niedergeschlagenheit, Minderwertigkeits- und Versagensgefühle, Pessimismus, Negativismus, ja sogar Fatalismus und ganz zum Schluss eine selbstschädigende Fassade im Sinne von Ironie, Sarkasmus und Zynismus. Letzteres wirkt sich auch auf die wenigen sozialen Kontakte, die geblieben sind, negativ aus.

Behandlungsmethoden & Therapie

In der Frühphase kann eine längere Erholungsphase oder eine Kur helfen. Bei manchen hilft auch eine längere Auszeit aus dem Job, ein sogenanntes Sabbatical, um wieder zu sich selbst zu finden. Kann oder möchte man einen Burnout nicht sofort erkennen, ist professionelle Hilfe in Form einer Burnout-Therapie unabdingbar. Eine Psychotherapie in Verbindung mit Antidepressiva, manchmal auch mit einem Aufenthalt in einer Klinik, ist oft ein notweniger Schritt zur Burnout-Behandlung und muss individuell auf jeden Patienten abgestimmt werden. Der Vorteil einer Psychotherapie ist, dass nicht die Symptome, sondern die Ursachen bekämpft werden, und man den Heilungsprozess so ganzheitlich angeht. 

Grundsätzlich sind vorbeugende Maßnahmen aber der vielversprechendere Weg, weiß Prof. Dr. Faust:

Ausgebrannt heißt schließlich ausgebrannt. Glücklicherweise sind die meisten nur etwas „angekokelt“ und noch nicht bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Im Extremzustand aber braucht es schon einen Psychiater oder Nervenarzt, der vor allem auch die bekannten Endzustände von der Schlaflosigkeit bis zur Erschöpfungs-Depression gezielt behandelt, auch medikamentös. Der End-Zustand eines Burnouts hat jedoch leider keine so guten Heilungsaussichten.“

Präventive Maßnahmen

Es gilt also, den Burnout im Keim zu ersticken. Prof. Dr. Faust rät:

Man muss lernen, sich mit partnerschaftlichen, familiären und vor allem aber wirtschaftlichen und beruflichen Belastungen zu arrangieren. Was hingegen Persönlichkeitsstruktur und vor allem Lebensweise anbelangt, gibt es viele stabilisierende Möglichkeiten, die aber erstaunlich selten praktiziert, ja nicht einmal in Erwägung gezogen werden. Hier liegt die Chance, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Dass dies dann doch eher selten der Fall ist, macht die tragische Komponente des Burnout-Syndroms aus.

Darüber hinaus wirken eine gesunde Lebensführung in Bezug auf Schlaf, körperliche Aktivität, Genussmittel, Entspannungsverfahren, Ernährung sowie entgleisungsgefährliche Selbstbehandlungsversuche vorbeugend. Außerdem sollte man darüber reden lernen, es also nicht verdrängen. Runtergebrochen heißt das: Reden, reden, reden und gehen, gehen, gehen. Der bekannte Gesundmarsch, das heißt täglich 30 Minuten à 100 Schritte pro Minute zu gehen, ist gesundheitsfördernd und wirkt auch dem Burnout-Syndrom entgegen.

Rechtliches

Nach der Diagnose Burnout führt an der Krankschreibung kein Weg dran vorbei. Dabei gilt wie bei allen Krankheiten: Krank ist krank, und der Krankgeschriebene muss seinem Arbeitgeber nicht mitteilen, um welche Krankheit es geht. Der Unterschied ist allerdings, dass im Gegensatz zu einem grippalen Infekt der Burnout nicht nach einer Woche verschwindet, sondern mit längeren Fehlzeiten zu rechnen ist. Dennoch bist du nicht verpflichtet, den Burnout zu benennen – und es empfiehlt sich auch nicht. Sonst kann das zum Beispiel in einem Kündigungsschutzprozess gegen dich verwendet werden. Denn obwohl man nicht einfach wegen Krankheit gekündigt werden kann, kann dir trotzdem Arbeitsunfähigkeit nachgewiesen und damit eine Kündigung wegen deiner Krankheit rechtsgültig werden. Die ersten sechs Wochen der Erkrankung zahlt der Arbeitgeber, danach springt die Krankenkasse ein. Zumindest für anderthalb Jahre, denn solange sind Langzeiterkrankte nach deutschem Arbeitsrecht durch Lohn und Krankengeld abgesichert. Wie lange man wegen Burnout raus ist aus seinem Job, ist selbstverständlich individuell. Selbst, wenn du dich schon nach einem Monat besser fühlen solltest, musst du dir die Zeit für die Gesundheit nehmen, denn die Rückfallquote ist erschreckend hoch. Und grundsätzlich ist es auch keine gute Idee, genau zu dem Job, der einen in den Burnout gebracht hat, zurückzukehren. 

Über den Autor

Bettina Wilde
Bettina Wilde

Bettina Wilde ist seit 2015 im Content Team von ABSOLVENTA tätig. Die studierte Germanistin verfasst Artikel rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere und ist Expertin, wenn es um Fragen zu Trainee-Programmen geht.

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