Betriebliche Gesundheitsförderung: So steigern Sie die Mitarbeitergesundheit.

Betriebliche Gesundheitsförderung: So steigern Sie die Mitarbeitergesundheit.

Das müssen Sie wissen.

  • Die Förderung der Mitarbeitergesundheit entwickelt sich in immer mehr Organisationen von einem „nice-to-have“, hin zum integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie.
  • Jede Maßnahme ist eine Form der Wertschätzung, was sich positiv auf den empfundenen Gesundheitszustand der Mitarbeiter:innen* auswirkt.
  • Die Personalisierung, Erreichbarkeit und Messbarkeit sind drei wichtige Qualitätskriterien für den Erfolg der Maßnahmen.

Definition: Betriebliche Gesundheitsförderung.

Die Gesundheitsförderung ist laut der WHO „der Prozess, der den Menschen mehr Entscheidungen über ihre Gesundheit ermöglicht und dadurch die Gesundheit verbessern kann.“

Bei der betrieblichen Gesundheitsförderung geht es, wie der Begriff schon vermuten lässt, um die Gesundheitsförderung von Mitarbeitern im Unternehmenskontext. Sie ist eine Teildisziplin des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Geht es beim BGM mehr um die strategische Planung und Konzeption von Strukturen und Prozessen, umfasst die betriebliche Gesundheitsförderung die konkrete Umsetzung von gesundheitsfördernden Maßnahmen.

Basierend auf der Definition der WHO gibt es für die Gesundheitsförderung in Unternehmen zwei relevante Handlungsfelder:

  1. Das individuelle Gesundheitsverhalten: Hier geht es darum das individuelle Gesundheitsverhalten der Mitarbeiter positiv zu beeinflussen. Zum Beispiel durch gezielte Kompetenzerweiterung, Förderung der Selbstwirksamkeit, Motivation und das Aufzeigen von Handlungsfeldern.
  2. Das individuelle Arbeitsumfeld: Im Sinne des Setting-Ansatzes geht es in diesem Bereich um die positive Veränderung des Arbeitsumfelds der Mitarbeiter.

Ebenso wird durch die Definition der WHO deutlich: Die aktive Partizipation der Mitarbeiter ist für eine nachhaltige Gesundheitsförderung erfolgsentscheidend.

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Darum ist die Förderung der Mitarbeitergesundheit relevant.

Unsere Arbeitswelt befindet sich derzeit in einem disruptiven Wandel. Der lange vorherrschende 8-Stunden-Job mit festen Arbeitszeiten, klar definierten Tätigkeitsfeldern und festen Organisationsstrukturen ist ein Auslaufmodell. Aus der Work-Life-Balance wird Work-Life-Blending.

Die Fülle an Reizen und ständige Erreichbarkeit durch unser Smartphone nehmen stetig zu, gleichzeitig werden menschliche Interaktionen im „realen“ Leben immer weniger. Unsere Arbeit erfordert immer weniger körperliche Belastung, die kognitiven Aufgaben nehmen jedoch zu. Dies sind nur wenige Beispiele für die derzeitigen Herausforderungen, die an unserer körperlichen und mentalen Gesundheit nicht spurlos vorübergehen.

So ergab eine Analyse der Techniker Krankenkasse, dass die Zahl der Fehlzeiten aufgrund von psychischen und Verhaltensstörungen seit 2006 um 92 Prozent gestiegen sind und seit 2015 auf diesem hohen Niveau verbleiben. Mitarbeiter geben dabei das steigende Arbeitsvolumen und die Schnelllebigkeit als Hauptursache an.

Relative Veränderung der Fehlzeiten durch psychische und Verhaltensänderungen

Jahr Änderungen in Prozent
2000 100
2001 110
2002 113
2003 117
2004 118
2005 120
2006 100
2007 110
2008 119
2009 134
2010 151
2011 161
2012 170
2013 170
2014 185
2015 188
2016 186
2017 188

Laut TK sind neben dieser starken Erhöhung der psychischen Erkrankungen auch die Erkrankungen des Bewegungsapparats mit Schmerzen an Rücken, Schulter oder Knie weiterhin ein großes Problem. Diese sind nach wie vor der Grund für die meisten Krankheitsfehltage in Deutschland. Das hierfür unser bewegungsarmer Alltag und die zunehmende Zeit am Schreibtisch mitverantwortlich ist, ist unumstritten. Der Bedarf an Maßnahmen, die dieser Entwicklung entgegenwirken, ist groß.

Mitarbeiter fordern gesundheitliche Unterstützung von ihrem Arbeitgeber

Durch die Covid-19-Pandemie nochmals verstärkt, wünschen sich laut einer aktuellen forsa-Studie die Mehrheit der Arbeitnehmer mehr gesundheitliche Unterstützung ihres Arbeitgebers.

Gesundheitsangebote werden gerade von der jungen Generation nicht länger als „angenehme Zusatzleistung“ erachtet. Millennials investieren privat doppelt so viel Geld in ihre Gesundheit als Babyboomer. Für diese Generation ist es wichtiger denn je, dass die Werte des Unternehmens mit ihren eigenen übereinstimmen. Für Unternehmen, die auch zukünftig erfolgreich High Potentials rekrutieren möchten, muss eine Gesundheitsförderung also zum Employer-Branding-Thema werden.

Gesundheit und Wohlbefinden bestimmen das Leistungsniveau

Sinkt aufgrund von Stress und körperlichen Belastungen die Energie des Einzelnen, wirkt sich das auch auf die kollektive Energie der gesamten Organisation aus. Von der anderen Seite aus betrachtet, steigt aber auch die Leistungsfähigkeit, Motivation und Bindung der Mitarbeiter, wenn sie sich selbst gesundheitlich fit und dabei von ihrem Arbeitgeber wertgeschätzt und unterstützt fühlen.

Das Thema Wellbeing kann zum Teil der Unternehmenskultur werden und dabei nicht nur die Identifikation mit dem Arbeitgeber, sondern auch die Teamkultur stärken. Auch das wirkt sich letztlich positiv auf die Produktivität der gesamten Organisation aus.

Auch wenn die Frage nach der Wirtschaftlichkeit von Investitionen in die Mitarbeitergesundheit nicht die Wichtigste sein sollte, ist sie bei der jährlichen Budgetverteilung verständlicherweise trotzdem von hoher Relevanz. Und auch sie kann positiv beantwortet werden, denn gesundheitsfördernde Maßnahmen erzielen laut dem aktuellsten Bericht der iga im Durchschnitt einen Return on Investment (ROI) von 2,7. Hier wird deutlich: Die positiven Folgen einer Förderung der Mitarbeitergesundheit sind aus finanzieller Sicht deutlich höher als ihre Kosten.

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Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung.

Die Frage, auf welche Handlungsfelder und Maßnahmen der Arbeitgeber sich bei der Gesundheitsförderung am meisten fokussieren sollte, kann nur individuell beantwortet werden. Wie zu Beginn aufgeführt, können Maßnahmen gewählt werden, - die das individuelle Gesundheitsverhalten fördern, - oder ein besseres Arbeitsumfeld schaffen.

Zudem kann hier zwischen - präventiven Maßnahmen, die auf den Erhalt der Gesundheit abzielen und - korrektiven Maßnahmen, die auf bereits eingetretenen Risiken wirken, unterschieden werden.

Organisationen sollten für beide Bereiche den Status Quo analysieren und Risiken sowie Handlungsbedarfe identifizieren. Des Weiteren sollten auch die Mitarbeiter in die Maßnahmenplanung mit einbezogen werden. Umfragen und Team-Workshops helfen dabei, mehr über die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu erfahren.

Handlungsfeld Beispiele für Maßnahmen
Gesundheitsfördernde Maßnahmen in den Bereichen Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung - Individuelles Gesundheitscoaching
- Bereitstellung von Gesundheitsinhalten z. B. über Health Apps
- Gesundheitstage und Workshops
- Bewegungstrainings für Teams (online oder vor Ort)
Gestaltung der Arbeitsprozesse Operative und strategische Maßnahmen die den häufigsten Belastungsfaktoren entgegenwirken:
- Ständiges Sitzen
- Hohes Arbeitsvolumen
- Störungen und Arbeitsunterbrechungen
- Termin- und Leistungsdruck
- Lärm
- Ständige Aufmerksamkeit und Konzentration
- Schlechte Belüftung/Klimaanlage
- Maßnahmen zur Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort
- Maßnahmen zur Unterstützung von pflegenden Mitarbeitern
- Neue Beschäftigungsformen wie Teilzeit oder Sabbaticals
Verhalten von Führungskräften Das Themenfeld „Gesund Führen“ durch Seminare, Unternehmenswerte und Alltagspraktiken in der Organisation verankern

Qualitätskriterien.

Damit gesundheitsfördernde Maßnahmen auch den gewünschten Erfolg erzielen, sind folgende drei Kriterien entscheidend:

  • Erreichbarkeit des Angebots: Ein Gesundheitsangebot kann nur erfolgreich sein, wenn Mitarbeiter es auch nutzen. Mit immer flexibler werdenden Arbeitsmodellen sind also Maßnahmen, die zeitlich und örtlich ungebunden sind, ein Muss. Eine wichtige Rolle spielen hier digitale Angebote. Sie haben den großen Vorteil, dass Mitarbeiter sie, egal wann und egal wo sie sich aufhalten, nutzen können.
  • Personalisierung: Neben der Erreichbarkeit ist für den Erfolg des Angebots auch die Relevanz entscheidend. Nur wenn für den Mitarbeiter das Angebot relevant ist, wird er auch Gebrauch davon machen. Hier spielt die Personalisierung des Angebots eine wichtige Rolle. Entweder das Angebot ist so breit gefächert, dass alle Mitarbeiter etwas für sie Relevantes wählen können, oder das Angebot kann direkt personalisiert werden. Viele digitale Angebote bieten die Möglichkeit, basierend auf individuellen Zielen, Inhalte direkt zuzuschneiden.
  • Messbarkeit: Die Wirksamkeit des Angebots kann nur evaluiert werden, wenn sie auch gemessen wird. Für eine erfolgreiche Gesundheitsförderung ist es also auch entscheidend, zu Beginn wichtige Kennzahlen zu definieren und diese dann während der Maßnahmen zu messen. So werden Erfolge aber auch Misserfolge sichtbar und das Angebot kann basierend auf diesen Ergebnissen angepasst werden.
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