Was geht - und was nicht?

Arbeitsrecht: Gehalt, Urlaub und Kündigung in der Probezeit

Arbeitsrecht: Gehalt, Urlaub und Kündigung in der Probezeit

Du hast den Bewerbungsprozess erfolgreich abgeschlossen, den Arbeitsvertrag in der Tasche und stehst direkt vor dem Berufseinstieg. Dein erster Tag im Job bringt viel Neues und Unbekanntes. Gerade am Anfang haben Chef und Mitarbeiter oft ein besonderes Augenmerk auf Dich. Schließlich wird in den nächsten Monaten geprüft, ob Deine Qualifikationen ausreichen und wie Du ins Team und zum Unternehmen passt. ABSOLVENTA erklärt, worauf man in der Probezeit alles achten sollte.

Was ist die Probezeit eigentlich?

Die Probezeit dient dem gegenseitigen Kennenlernen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Denn nicht nur Dein Chef will wissen, wer Du bist und was Du leistest. Auch Du solltest genau schauen, ob das Unternehmen zu Dir passt, Du ins Team eingebunden wirst und ob Du die Dir zugewiesenen Tätigkeiten gut erfüllen kannst. Rechtlich ist die Probezeit übrigens nicht vorgeschrieben, sie wird aber in den meisten Arbeitsverträgen ausgewiesen. Die Länge kann der Chef nahezu völlig frei einteilen, in der Regel beträgt sie jedoch zwischen drei und neun Monaten. Längere Probezeiten sind kaum durchsetzbar.

Juristisch gesehen ist die Probezeit ein Arbeitsverhältnis auf Probe und geht im Idealfall direkt in den unbefristeten Arbeitsvertrag über bzw. ist in diesem enthalten. Es gibt aber auch sogenannte befristete Arbeitsverhältnisse auf Probe, die mit dem Ende der Probezeit auslaufen. Hier muss anschließend ein neuer Arbeitsvertrag aufgesetzt werden.

Integration ins Unternehmen und Feedback

Laut einer Studie der Managementberatung Mühlenhoff integrieren die meisten Unternehmen (89 Prozent) neue Arbeitnehmer durch direkte Einarbeitung, training on the job genannt. Daneben dienen regelmäßige Feedbackgespräche bei 93 Prozent der Firmen als sinnvolle Mitarbeiterintegration. Die befragten Unternehmen gaben auch an, zur Optimierung gerne mehr Feedbackgespräche führen zu wollen. Nur rund ein Viertel der Firmen stellt ihren neuen Mitarbeitern einen Mentor zur Seite, immerhin knapp die Hälfte bietet Coachings an.

Kündigung und Kündigungsfrist

In der Probezeit gilt generell eine verkürzte Kündigungsfrist von 14 Tagen, auch am letzten Tag und „sogar an Sonn- oder Feiertagen“, wie Andreas Walle, Fachanwalt für Arbeitsrecht im Focus erläutert. Nach der Probezeit beträgt die Kündigungsfrist dann vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Monats. In der Folge steigt die gesetzliche Kündigungsfrist mit der Länge des Arbeitnehmerverhältnisses. Einen Überblick gibt der §622 BGB.

Während der Probezeit kann Dich Dein Chef einfach ohne Angabe von Gründen entlassen. Achtung: Selbst wenn die Probezeit laut Arbeitsvertrag nur zwei Monate dauert, gilt noch kein Kündigungsschutz, „dieser setzt erst nach sechs Monaten Beschäftigungsverhältnis ein, unabhängig von der Länge der Probezeit“, so Arbeitsrechtsspezialist Jean-Martin Jünger im ABSOLVENTA Experten-Interview. Lediglich die Kündigungsfrist verlängert sich nach der vereinbarten Probezeit sofort auf vier Wochen.

Bei betriebsbedingten Kündigungen müssen die Mitarbeiter, die sich noch in der Probezeit befinden, als erste entlassen werden. Einzige wirkliche Ausnahme: Schwangere sind auch in der Probezeit unkündbar, mindestens bis vier Wochen nach der Geburt des Kindes.

Die bereits erwähnte Mühlenhoff-Studie hat übrigens ergeben, dass ca. ein Fünftel der Unternehmen sich von fünf bis zehn Prozent der neuen Mitarbeiter noch in der Probezeit trennt. Häufigster Grund (81 Prozent) dafür ist, dass die Vorstellungen über die Zusammenarbeit nicht übereinstimmen. An zweiter Stelle rangieren mit 60 Prozent bereits fehlende fachliche Kompetenzen. Dritter Grund (50 Prozent): Unstimmigkeiten im Team.

Gehalt in der Probezeit

Viele Arbeitgeber gewähren in der Probezeit nur ein vermindertes Gehalt, die anschließende Gehaltserhöhung sollte bereits im Arbeitsvertrag, zumindest aber zügig während der ersten Wochen im Job festgelegt werden. Außerdem darf das Gehalt auch in der Probezeit nicht mehr als ein Drittel unter dem Tariflohn liegen, zitiert der Focus das Hessische Landesarbeitsgericht. Sonst handele es sich um Lohnwucherei.

Urlaub während der Probezeit

Auch in der Probezeit hast Du jeden Monat Anspruch auf ein Zwölftel Deines Jahresurlaubs. Allerdings kann Dein Chef während der Probezeit eine Urlaubssperre verhängen. Wird Dir währenddessen gekündigt, muss Dir Dein Chef den nicht genutzten Urlaub auszahlen, wie Andreas Walle erklärt. Der Gegenwert der Urlaubstage kommt einfach zum Brutto Deines Gehaltes dazu. Hast Du bereits zu viel Urlaub abgefeiert, kann Dein Chef andererseits nichts zurückfordern (§5 BurlG).

>> Mehr Infos zum Thema Arbeitsrecht, Arbeitsvertrag, Arbeitszeugnis und Probezeit

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