Den Unternehmen kommt es bei der Auswahl ihres Personals schon lange nicht mehr allein auf die fachlichen Kompetenzen an. Die Anwendung von einem Gedächtnistest, Leistungstest oder Sprachtest reicht den Personalern dabei oft nicht. Die sozialen Kompetenzen und die Persönlichkeit des einzelnen Bewerbers rücken immer mehr in den Fokus. Eigenschaften wie Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, Flexibilität oder auch Belastbarkeit gehören mittlerweile zu den Standard-Charaktereigenschaften, die der potenzielle neue Arbeitnehmer mitbringen sollte.
Im Rahmen von Einstellungstestverfahren existiert eine Vielzahl von Angeboten an Persönlichkeitstests. Einige sind seriös und auch überwiegend zuverlässig. Andere sind pseudowissenschaftlicher Humbug. Da Persönlichkeitsanalysen lange Zeit ein wichtiger Bestandteil der Therapie von psychisch Kranken waren, genießen sie in Deutschland keinen besonders guten Ruf. Trotzdem greifen mittlerweile fast ein Viertel der Unternehmen in Deutschland bei der Bewerberauswahl auf Persönlichkeitstests zurück, um ein Persönlichkeitsprofil zu erstellen. Im Ausland ist die Durchleuchtung der Bewerber noch viel verbreiteter und auch weitgehend akzeptiert. In den USA oder England nehmen bis zu drei Viertel aller Firmen Persönlichkeitstests vor. In Dänemark ist es sogar durchaus üblich einen Persönlichkeitstest zu absolvieren, und sogar Fragen nach den persönlichen finanziellen Verhältnissen oder Schwangerschaft sind dort kein Tabu. Allerdings kann ein Persönlichkeitstest alleine den Charakter eines Bewerbers nicht wiederspiegeln. Er dient lediglich dem Zweck, den Eindruck aus anderen Einstellungstestverfahren wie Interviews oder Gruppendiskussionen zu bestätigen bzw. zusätzliche Informationen zu liefern.
Die wichtigste Frage, die sich Personaler stellen, lautet: „Passt der Bewerber aufgrund seiner fachlichen und sozialen Kompetenz in unser Unternehmen?“ Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, wurden im Laufe der Zeit sehr unterschiedliche Testverfahren entwickelt. Es kommen sogar beständig neue Persönlichkeitstests hinzu, da die Forschungen auf dem Gebiet der Psychologie im Test immer weiter fortschreiten. Hier werden einige Persönlichkeitstests vorgestellt, die bereits in Personalauswahlverfahren angewendet wurden.
Als besonders zuverlässiger Persönlichkeitstest hat sich das „Bochumer Inventar zur Berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung“ (BIP) erwiesen. Es ist ein Persönlichkeitstest, der häufig in Einstellungsverfahren vorkommt. Das BIP ist besonders darauf ausgerichtet, die Persönlichkeit in Bezug zum angestrebten Beruf zu testen und erfasst die berufliche Orientierung, das Arbeitsverhalten, die sozialen Komponenten und die psychische Konstitution. Dabei werden dem Bewerber Aussagen vorgelegt, die er dann bewerten soll (z.B. trifft zu, trifft teilweise zu oder trifft gar nicht zu).
Der „16 PF“ testet 16 Persönlichkeitsmerkmale des Teilnehmers. Ursprünglich wurde dieser Test von Raymond Bernard Cattell für rein klinische Zwecke entwickelt, um Therapeuten eine bessere Versorgung ihrer Patienten zu ermöglichen. Dennoch findet dieser Test auch in Personalauswahlverfahren Anwendung. Fragen im 16 PF können zum Beispiel sein, ob man lieber Förster oder Lehrer wäre oder lieber bei der Zugfahrt aus dem Fenster sieht, als sich mit Mitfahrenden zu unterhalten. Es ist nicht sofort ersichtlich, worauf die Frage abzielt. Ähnlich verhält es sich mit dem Freiburger Persönlichkeitsinventar (FPI), das ursprünglich ebenfalls zu rein klinischen Zwecken entwickelt wurde. Das FPI testet lediglich zwölf Bereiche und der Teilnehmer kann nur mit „stimmt“ oder „stimmt nicht“ antworten. Bei diesen Testverfahren sollte man sich überlegen, wie die Antworten interpretiert werden könnte. Deshalb ist es generell ratsam, sich über mögliche Testverfahren zu informieren.
Beim „Minnesota Multiphasic Personality Inventory“ (MMPI) handelt es sich um einen stärker kritisierten Persönlichkeitstest, zumindest für Personalauswahlverfahren. Hier werden den Kandidaten ebenfalls Aussagen vorgelegt, die diese dann bewerten sollen. Dieser Persönlichkeitstest gehört allerdings zu den Verfahren, die das Bundesarbeitsgericht dazu bewogen haben, Bewerbern das Recht auf Lüge als Notwehr zuzusprechen. Aussagen wie „Manchmal bin ich von bösen Geistern besessen“ oder „Ich habe Lust in Afrika Löwen zu jagen“ gehören bei dem MMPI noch zu den harmloseren Vertretern. In Niedersachsen wurde dieser Test eine Zeit lang als Einstellungstest für die Auswahl von Justizbeamten angewendet, bis der Justizminister dies untersagte.
Der „Myers-Briggs-Typenindikator“ erfreut sich wieder zunehmender Beliebtheit, vor allem in den USA. Dabei werden den Teilnehmern 100 Fragen gestellt, anhand derer sie in ein Raster aus 16 Persönlichkeitstypen eingeordnet werden. Diesen Typen werden wiederum konkrete Eigenschaften zugeordnet, z.B. introvertiert, sinnorientiert und bewertend. Hinzu kommt eine prozentuale Gewichtung der Komponenten, die das Ergebnis des Persönlichkeitstests noch weiter ausdifferenziert. Der Test ist vor allem in den USA sehr beliebt.
Generell kannst Du Dich auf einen Persönlichkeitstest nicht so gut vorbereiten wie auf einen Intelligenztest. Es ist allerdings hilfreich, Informationen über die gängigsten Testverfahren einzuholen. Im Grunde gilt: Wäge Deine Antworten gut ab und vermeide einseitige Antworten. Es macht keinen Sinn, immer nur die vermeintlich guten oder schlechten Alternativen zu wählen. Genauso ist es unglaubhaft, wenn Du Dich immer nur für eine Antwort entscheidest, die mehr oder weniger in der Mitte liegt. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, das Ziel der Fragestellung zu erkennen und daraufhin adäquat zu antworten. Bleib auch bei den Persönlichkeitstests immer authentisch, auch wenn Du Deine Antworten hinsichtlich ihrer Wirkung abwägst.
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