Jedes zweite Praktikum ist unbezahlt – EU-Parlament fordert Mindestlohn für Praktikanten
Geschrieben am 13.08.2010 von Lukas große KlönneEine Studie des Bundesarbeitsministeriums besagt, dass die Hälfte aller Praktikanten unentgeltlich arbeitet. Eine Umfrage von praktikum.info bestätigt dieses Ergebnis. Demnach bekommt jeder zweite Praktikant kein Gehalt. Etwa 35 Prozent erhalten eine Vergütung zwischen 300 und 700 Euro, und nur jeder sechste „Prakti“ bekommt mehr als 700 Euro, was theoretisch für die Deckung des Lebensunterhaltes reichen kann.
Ein aktueller Vorschlag aus dem EU-Parlament sieht vor, unbezahlte Praktika zu verbieten. Demnach sollen Praktikanten zukünftig von der Vergütung ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Dahinter steht die Überlegung, den „Bildungswert zu sichern und Ausbeutung zu vermeiden“. Wie nicht anders zu erwarten war, ist der Widerstand seitens der Wirtschaft groß.
Zwischen Praktika während und nach der Ausbildung unterscheiden
In der Diskussion gilt es zwischen Praktika während der Schule bzw. des Studiums und Praktika nach dem Studium zu unterscheiden. Einem Schüler während eines dreiwöchigen Schulpraktikums oder einen Studenten im Grundstudium mit mehrenden hundert Euro zu entlohnen ist vor allem für viele kleinere und mittelständische Unternehmen kaum darstellbar. Derlei Praktika sind in erster Linie „Lernverhältnisse“. Zudem ist die Mehrheit der Schüler und Studenten auf Grund von Bafög oder finanzieller Unterstützung durch die Eltern nicht zwingend auf ein Praktikantengehalt zur Deckung der Lebenshaltungskosten angewiesen.
Anders stellt sich die Situation bei Hochschulabsolventen dar. Nach dem Abschluss erhalten sie kein Bafög mehr. Wenn diese über einen akademischen Abschluss verfügen, haben Sie dadurch fundierte Qualifikationen und Kompetenzen nachgewiesen. Dies sollten Arbeitgeber durch eine faire Bezahlung anerkennen.
Geisteswissenschaftler am stärksten betroffen
Der Mythos Generation Praktikum gilt nur für einen überschaubaren Teil der Absolventen. Im Schnitt schaffen Hochschulabsolventen den Berufseinstieg nach drei bis vier Monaten. Je nach Fachrichtung kann es aber auch ein Jahr oder länger dauern, vor allem bei Geisteswissenschaftlern. Um keine Lücke in Ihrem Lebenslauf entstehen zu lassen und um durch mehr Praxiserfahrung ihre Chancen auf einen regulären Job zu erhöhen, nehmen sie im Vergleich zu Wirtschaftswissenschaftlern, Ingenieuren und IT-lern deutlich häufiger Praktikantenstellen an. Insbesondere in wirtschaftlichen Krisenzeiten ersetzen Arbeitgeber dadurch reguläre Arbeitsverhältnisse. An diesem Punkt sollte die EU ansetzen.
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