Der Wulff und die sieben Fehlerlein: Was Absolventen aus ihnen lernen können
Geschrieben am 10.01.2012 von Luise Köhler

Mit der Diskussion um seinen Privatkredit und dem darauffolgenden Stell-dich-ein auf dem Anrufbeantworter von Bild-Chefredakteur Diekmann hat Bundespräsident Christian Wulff für einen wahren medialen Blizzard gesorgt. Doch anstatt in das allgemeine Mecker-Symposium einzustimmen, lernen wir aus seinen Fehlern. Getreu dem Motto ‚Überzeugen statt wulffen’ fasst die Jobbörse ABSOLVENTA die gröbsten Fehler des Bundespräsidenten zusammen und zeigt, worauf Karriereeinsteiger achten sollten.
Wulff hat demonstriert, was für viele Berufseinsteiger zum Stolperstein werden kann: Die sogenannten Soft Skills. So sind bei Absolventen die fachlichen Qualifikationen nicht das Hauptproblem, an dem sie bei einem Neueinstieg im Unternehmen scheitern. Viel häufiger erweist sich das Sozialgefüge im Betrieb als wahre Herausforderung, der man sowohl selbstbewusst als auch behutsam entgegen treten sollte. Da ist soziales und kommunikatives Geschick gefragt, um die richtige Balance zu finden zwischen Selbstbehauptung und der Arbeit im Team. Im Folgenden wird an sieben bedeutenden Kriterien erklärt, wie man das als Berufseinsteiger schaffen kann.
Selbstpräsentation
Eine gute Selbstpräsentation ist das Ticket zum neuen Job. Ob in den Bewerbungsunterlagen oder im darauffolgenden Einstellungsgespräch – was zählt ist, sich selbst ins rechte Licht zu rücken und dabei authentisch zu bleiben. Das ist keine leichte Aufgabe und stellt für Karriereeinsteiger häufig eine große Bewährungsprobe dar.
Das A und O in puncto Selbstpräsentation ist die Körpersprache. Denn auch, wenn Personaler zumeist keine ausgebildeten Psychologen sind, wissen sie sehr wohl Körperhaltung, Mimik und Gestik zu deuten. Ein absolutes Paradebeispiel dafür, wie es nicht geht, liefert das TV-Interview, welches Herr Wulff anlässlich der gegen ihn erhobenen Vorwürfe veranlasst hatte. Und so saß er da nun, in gebeugter Haltung, den Blick stark blinzend nach unten gerichtet. Die Opferrolle, in welche er sich laut seiner Empfindung hineingedrängt fühlte, stand ihm förmlich auf den Leib geschrieben. Nicht umsonst bezeichneten Köpersprache-Coaches Wulffs Fernsehauftritt im Nachhinein als ‚nicht überzeugend’.

Auch ein Bewerbungsgespräch gehört zu den Situationen, in denen man sich zumeist angespannt, wenn nicht sogar unwohl fühlt. Dennoch kann man es mit ein bisschen Übung und Routine schaffen, diese Unsicherheit zu überspielen. Schon kleine Gesten, wie ein fester Händedruck, eine aufrechte Sitzhaltung, direkter Augenkontakt und eine klare, deutliche Aussprache wirken hier Wunder und vermitteln dem Gegenüber ein gesundes Maß an Selbstvertrauen.
Selbsteinschätzung
Bereits beim Bewerbungsgespräch legen Karriereeinsteiger die Grundlage für ihren Einstieg ins Unternehmen. Schließlich ist es bekannter Weise der erste Eindruck, der zählt. Und diesem gilt es, auch im Nachhinein gerecht zu werden. So sollte man sich auch wirklich nur auf Stellen bewerben, die man sich selbst zutraut.
Neben der erforderlichen fachlichen Kompetenz ist eine gesunde Selbsteinschätzung vor allem auch im Hinblick auf die persönliche Belastungsgrenze von großer Bedeutung. Ein konkretes Beispiel, das zeigt, wie sich eine unzureichende Selbsteinschätzung bemerkbar gemacht hat: Wulffs Fernsehinterview. Recht offensichtlich war er der Situation nicht gewachsen. So gab er nach der Ausstrahlung zu, keine Zeit zur Vorbereitung gehabt zu haben. Was Berufseinsteiger daraus lernen können: Auch wenn vielleicht von Außen eine ganz bestimmte Erwartungshaltung herrscht, sollte man in erster Linie nur das tun, wozu man sich auch befähigt fühlt. Sei es, dass die Eltern eine ganz bestimmte Jobvorstellung haben, mit der man aber so gar nicht einverstanden ist. Oder ein sehr attraktives Stellenangebot beinhaltet Forderungen, denen man sich nicht gewachsen fühlt.
Um derartige Entscheidungen für oder gegen Stellenangebote treffen zu können, sollte man also die eigenen Stärken und Schwächen kennen und benennen können. Hinzu kommt ein gewisses Maß an Motivation. Ist man hochgradig motiviert, kann man über sich hinaus wachsen, weil man den Willen hat, zu lernen.
Transparenz
Was in solchen Fällen zählt, ist Transparenz. Das heißt, bewirbt man sich auf ein Stellenangebot, bei dem man ein bis zwei Anforderungen nicht erfüllen kann, so sollte man dazu stehen, die eigene Motivation darlegen und Lernbereitschaft symbolisieren. Gleiches gilt auch für Fehler, vor denen man in den ersten Wochen im neuen Betrieb leider nicht gewappnet ist. Siehe Wulff: Der Versuch, Schwächen und Fehler zu vertuschen, geht in 99 Prozent der Fälle schief. Ratsamer ist es, sich zu Fehlern zu bekennen und umgehend zu handeln, zum Beispiel indem man gemeinsam mit Mitarbeitern die effiziente Schadensbegrenzung in die Hand nimmt. Und schließlich ist es ja nicht ungewöhnlich, dass man als Karriereeinsteiger eher ein roher Diamant ist, der noch geschliffen werden muss. Jeder Absolvent darf mal einen Fehler machen – er sollte nur daraus lernen.
Authentizität
Berücksichtigen Karriereeinsteiger bei ihrer Jobwahl die oben genannten Punkte, fällt es leichter, im ersten Job trotz aller neuen Anforderungen authentisch zu sein. Dazu gehört auch, dass man persönliche Stärken hervorhebt, diese jedoch nicht überbetont. Am Besten eignen sich immer konkrete Aufgaben, mit deren Erfüllung man seine eigenen Kompetenzen unter Beweis stellen kann. Eine derartig gute Arbeit im eigenen Kompetenzbereich gleicht auch kleinere Schwächen in anderen Gebieten aus.
In puncto Authentizität hat Christian Wulff in der Diskussion um seinen Privatkredit leider einige Einbußen hinnehmen müssen. Dabei besaß er bis dato eine echte Vorbildfunktion in diesem Bereich. So hat er nie versucht, sich als klassischer Vorzeige-Intellektueller zu präsentieren, sondern stand offen zu seinem Leben als Mann, der mitten im Leben steht, Kinder von zwei verschiedenen Frauen hat und im Jugendalter die Pflege der schwerkranken Mutter übernahm.
Kritikfähigkeit
Im Umgang mit Kritik kann man dem Bundespräsidenten nur raten, aus der ganzen Affäre um ihn die notwendigen Schlüsse zu ziehen und aus ihnen zu lernen. Dazu gehört in erster Linie, die großen Hörner einzuziehen, die ihm zwischenzeitlich gegenüber den Medien gewachsen sind. Und ebenso sollte er lernen, Fehler gleich einzugestehen ohne erst in einer äußerst emotional angespannten Lage Ausweichmanöver in Angriff zu nehmen. Die eigene Energie ist nämlich deutlich sinnvoller in eine aufrichtige Entschuldigung investiert, kombiniert mit strukturierten Ansätzen zu Schadensbegrenzung. Gleiches gilt für Bewerber: Kritik annehmen, darüber besprechen und in diesem Zuge konstruktiv an Lösungen für auftretende Probleme arbeiten.
Sozialverständnis

Christian Wulff hatte die Macht der Medien, zu denen er einst einen durchaus intensiven Kontakt pflegte, schlichtweg unterschätzt. Zwei Dinge können Berufseinsteiger daraus lernen: Erstens, kenne deine Freunde! Denn zweitens, sie können schnell zu Feinden werden. Dementsprechend sollte man bemüht sein, die ersten Wochen im neuen Unternehmen zu nutzen, das Sozialgefüge im Betrieb zu ergründen und sich entsprechend der gewonnenen Erkenntnisse einzugliedern. Dabei ist es wichtig, mit möglichst vielen Kollegen in Kontakt zu kommen und sich nicht nur mit einer Person oder einer kleinen Gruppe gut zu stellen. Die Arbeit im Unternehmen ist Teamarbeit und beruht auf Geben und Nehmen. Und um nehmen zu können, darf man eben nicht nur Kooperationsbereitschaft symbolisieren, sondern man muss sie auch leben.
Professionalität
Christian Wulff hat nicht nur für einen wahren Aufschrei in den Medien gesorgt, mittlerweile zeichnet sich die Affäre um den Bundespräsidenten auch schon verantwortlich für eine Wortneuschöpfung, einen so genannten Neologismus. ‚Wulffen’ ist das neue Wort, das den vorwiegend satirischen Diskurs um die Mauschelei des Bundespräsidenten bestimmt. Gemeint ist damit das wütende Schimpfen auf die Mailbox eines anderen. – Eine Sache, die sich in den meisten Fällen nicht einmal privat, schon gar nicht aber beruflich schickt. Doch jedem können einmal die Nerven durchgehen. Profi und Amateur unterscheiden jedoch darin, wie sie mit angespannten Situationen umgehen.
Deswegen gilt auch für Bewerber: Trotz aller Authentizität, (vor allem negative) Emotionen eher zurückhalten. Ungewollte Gefühlsausbrüche können nämlich schnell als unprofessionelles Verhalten interpretiert werden. Gleiches gilt für Lästereien, Intrigen und Machtspielchen.
Fazit
Die große Herausforderung für Karriereeinsteiger besteht darin, die richtige Balance zwischen der Demonstration des eigenen Könnens und der Eingliederung in bestehende Strukturen des Unternehmens zu finden. Dazu gehört, dass man seine jeweilige Rolle einzuordnen sowie das eigene Handeln dementsprechend anzupassen und zu reflektieren versteht. Soll heißen: Lieber ‚Mau’ statt ‚Wulff’, denn als anschmiegsamer Arbeitnehmer klappt es auch mit den Kollegen.
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