Auswahlverfahren und Berufsorientierung: Online-Assessment-Center und SelfAssessment
Geschrieben am 05.07.2009 von Lukas große KlönneIn stark zunehmendem Maße setzen Unternehmen auf sog. eAssessment Verfahren - auch Online-Assessment Verfahren genannt - in ihren Personalauswahlprozessen ein. Diese sind internetgestützte Instrumente zur Vorhersage der beruflichen Eignung. Gastautor Joachim Dierks von „CYQUEST - The Recrutainment Company“, einem Anbieter für Webbasierte eAssessment Anwendungen, erklärt im ABSOLVENTA Karriere-Blog was ein eAssessment ist, und was es von es von einem herkömmlichen Assessment Center unterscheidet. Zudem zeigt er den Nutzen von SelfAssessments auf.
Unterschied zwischen Online-Assessment vom herkömmlichen Assessment Center
Unter eAssessment Verfahren versteht man internetgestützte Instrumente zur Beurteilung und Vorhersage beruflich relevanter biografischer und psychologischer Variablen zur Abschätzung der Eignung. Es handelt sich also um webgestützte Eignungsdiagnostik. Die Durchführung über das Internet impliziert dabei, dass im Unterschied zum (Präsenz-) Assessment Center nicht die Beobachtung durch Assessoren die Grundlage für eine Beurteilung bildet, sondern ein standardisierter Auswertungsalgorithmus.
Online-Tests und Online-Simulationen
Zu den eAssessment Verfahren zählen sowohl Online-Tests als auch Online-Simulationen. Sowohl die Durchführung als auch die Rückmeldungen verlaufen dabei komplett online. eAssessment-Verfahren kommen häufig als Instrument der Personalvorauswahl zum Einsatz, wobei Kandidaten, die eine erste Auswahl auf Basis der Lebenslaufinformationen überstanden haben, nachfolgend zu den eTests eingeladen werden. Das Abschneiden innerhalb dieser Tests ist dann entweder entscheidend dafür, ob der Kandidat sich für die nachfolgenden Auswahlstufen (z.B. Telefoninterview, Einzelinterview oder Assessment Center) qualifiziert oder fließt zumindest als ein weiteres Kriterium in diese Entscheidung ein.
eAssessments als Insturment der Negativ-Personalauswahl per Computer
Wichtig ist es in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass eAssessments typischerweise ein Instrument der sog. Negativauswahl sind. D.h. das Testverfahren soll nicht die Frage beantworten, welcher Kandidat einzustellen ist, sondern geht vielmehr der Zielsetzung nach, diejenigen Kandidaten zu identifizieren, die mit höherer Wahrscheinlichkeit in den folgenden Auswahlschritten keine Chance hätten. Die eigentliche Recruitingentscheidung („Positivselektion“) trifft selbstverständlich weiter ein Mensch.
Inhaltlich liegt der Fokus der Testung zumeist auf dem Aspekt „berufsbezogene kognitive Leistungsfähigkeit“, wobei zumeist eine Unterteilung in zahlengebundene, sprachgebundene und bildhafte Denkfähigkeit erfolgt. Auch Wissensaspekte (wie Rechtschreibkenntnisse, Sprachfähigkeiten o.ä.) sowie berufsbezogene Persönlichkeitsmerkmale werden im Rahmen von eTests überprüft. Die Darstellungsmöglichkeiten des Internet erlauben darüber hinaus (im Gegensatz zur herkömmlichen Pen&Paper-Testverfahren) den Einsatz simulativer Testverfahren. Bei diesen erfolgt keine „itembezogene“ Testung, also die Stellung von nacheinander angeordneten Einzelaufgaben, sondern es werden dem Kandidaten vielmehr ganzheitliche Aufgaben übertragen, etwa die Erstellung eines Personaleinsatzplans oder die Bearbeitung eine Business Cases. Dabei können berufsrealistische Aspekte wie Störungen (z.B. Telefonanrufe), oder sich verändernde Gegebenheiten (z.B. durch eingehende E-Mails) in die Aufgabenkonstruktion einbezogen werden. Ähnliche Testverfahren waren früher nur im Rahmen von beobachtungsbasierten Verfahren möglich. Mittels simulativer Verfahren können auch Kompetenzen (wie etwa Planungs- und Problemlösekompetenz, Teamfähigkeit oder Führungskompetenz) gemessen werden.
eAssessments auch ein Instrument des Personalmarketings und der Selbstauswahl
eAssessment Verfahren werden gegenwärtig häufig in Auswahlprozessen eingesetzt, bei denen das Unternehmen mit signifikanten Fallzahlen / Bewerbungseingängen zu tun hat und bei denen die Zielgruppe noch ein relativ hohes Maß an Homogenität aufweist. Dies ist typischerweise der Fall bei Führungsnachwuchs, Auszubildenden, Studienplatzbewerbern oder Praktikanten.
Damit eAssessments nicht als trockenes Testinstrument wahrgenommen werden, werden diese häufig in aufwendig gestaltete Webapplikation eingebunden, die den Bewerber über das Unternehmen informieren. In sofern dienen diese eAssessments nicht nur als Testinstrument, sondern auch als Instrument des Personalmarketings und der Selbstauswahl.
Beispiele für eAssessment Verfahren
Beispiele für eAssessment Verfahren sind u.a. die Applikationen „unique.st“, die der Unilever Konzern zur Vorauswahl seines Führungsnachwuchses einsetzt oder das Media-Saturn eAssessment, mit dessen Hilfe Media-Saturn Bewerber für den dualen Studiengang Internationales Handelsmanagement an der FH Ingolstadt vorselektiert.
Darüber hinaus werden webbasierte Assessment Verfahren auch im Rahmen des Employer Brandings und der Berufs-, Ausbildungs- und Studienberatung eingesetzt. Verfahren, die dem Zweck der Selbsteinschätzung und Selbstauswahl dienen, werden dabei als Self-Assessment Verfahren bezeichnet.
Self-Assessments als "Realistic Job Preview"-Verfahren
Unter Self-Assessments werden entweder Übungen, die unterschiedliche Personenmerkmale nach eignungsdiagnostischen Kriterien überprüfen (wie bei den eAssessment Verfahren), bei denen die Qualität des Bearbeitungsergebnisses jedoch NUR dem Kandidaten rückgemeldet und für das Unternehmen NICHT einsichtig wird. Ein etwas anderer Ansatz des Self-Assessments hingegen sind Aufgaben, die berufstypische Aspekte „interaktiv erlebbar“ machen. Hier werden die Darstellungsmöglichkeiten des Internet benutzt, um simulative Einblicke in die Berufsrealität zu geben. Man spricht deshalb auch von „Realistic Job Preview Verfahren“. Der Kandidat bekommt so die Möglichkeit zunächst einmal selber seine relative Befähigung und Neigung für ein spezifisches Berufsbild und Unternehmen zu überprüfen und mit den vom Unternehmen gestellten Anforderungen zu vergleichen - VOR einer möglichen Bewerbung.
Beispiele für SelfAssessments
Beispiele für Self-Assessment Verfahren sind etwa das Berufsorientierungsspiel „C!You“ , das über das Berufsbild „Beamter“ informiert, der virtuelle Unternehmensrundgang „Discover Bertelsmann, sowie das spielerische Self-Assessment „Probier dich aus.“ der Commerzbank.
Geschrieben in: Rund um die Bewerbung
















