Absolventen fragen, Personaler antworten (3): Das Assessment Center
Geschrieben am 30.01.2009 von Ines SengesIm dritten Teil unserer Serie „Absolventen fragen - Personaler antworten“ dreht sich alles um das Assessment Center. Lies hier im Karriere-Blog der Jobbörse ABSOLVENTA auch die ersten beiden Artikel unserer Serie Absolventen fragen - Personaler antworten“ zu den Themen "Bewerbung" sowie „Kenntnisse und Erfahrungen“.
Bei welchen Positionen müssen Bewerber mit einem Assessment Center rechnen?
Heike Schirmer-Ditze (Henkel): Bei allen Einstiegspositionen im außertariflichen Bereich werden bei uns Assessment Center durchgeführt. Künstlichen Stress werden wir dabei nicht erzeugen, weder im Bewerbungsgespräch noch im Assessment Center. Denn trotz der besonderen Situation, möchten wir eine möglichst natürliche Atmosphäre schaffen, um den Kandidaten als Menschen kennenzulernen.
Bianca Grafe (Ernst & Young): Bei Ernst & Young nutzen wir das Assessment Center in der Regel für die Auswahl im Rahmen unseres Trainee Programms AuditPLUS.
Geht es bei einem Assessment Center eher darum, die fachlichen Kompetenzen eines Bewerbers zu ermitteln oder um seine sozialen Kompetenzen? Wie ist die Gewichtung?
Heike Schirmer-Ditze (Henkel): Es geht ausschließlich um die persönlichen Kompetenzen, die sogenannten Soft Skills. Die fachlichen werden in Gesprächen mit dem einstellenden Fachbereich bewertet.
Bianca Grafe (Ernst & Young): Ausschlaggebend ist für uns insgesamt das Potenzial des Bewerbers, somit das Zusammenspiel aus fachlicher und sozialer Kompetenz. Neben der Sozialkompetenz sollte der Bewerber für das Trainee-Programm ein gewisses Hintergrundwissen mitbringen. Dieses kann er durch grundlegendes BWL-Wissen, Kenntnisse wissenschaftlichen Arbeitens und das Interesse für den jeweiligen Fachbereich durch entsprechende Abschnitte im Lebenslauf aufzeigen.
Auf welche Soft Skills wird in einem Assessment Center besonders geachtet?
Heike Schirmer-Ditze (Henkel): Wieder kann ich nur für uns, Henkel AG und Co. KGaA sprechen: Die für uns wichtigen sechs Kernkompetenzen (Eigenständigkeit und Initiative, Energie, Überzeugungskraft, Teamfähigkeit und Kooperation, Analytisches und konzeptionelles Denkvermögen, Interesse an eigenen Weiterentwicklung) haben wir auf unserer Website im Detail beschrieben und diese werden auch zu Beginn eines jeden AC erläutert.
Bianca Grafe (Ernst & Young): Besonders wichtig sind uns Team- und Kommunikationsfähigkeit, Problemlösungskompetenz, Führungsqualifikation, Kreativität sowie Organisationstalent.
Nennen Sie bitte drei Tipps zur Vorbereitung auf ein Assessment Center.
Heike Schirmer-Ditze (Henkel): Man kann sich nicht wirklich auf ein Assessment Center vorbereiten. Allerdings sollte der Bewerber möglichst ausgeruht und ausgeschlafen zum Assessment Center starten, und mit viel Neugierde und Interesse in die Veranstaltung hineingehen.
Bianca Grafe (Ernst & Young): Finden Sie soviel wie möglich über uns heraus und notieren Sie sich relevante Fragen für uns. Überlegen Sie sich, wie Sie uns am besten von Ihren Stärken und Fähigkeiten überzeugen können, dafür ist eine gute Veranschaulichung Ihres Lebenslaufs und Werdegangs wichtig. Am Auswahltag selber ist es hilfreich genügend Zeit für die Anreise einzuplanen um pünktlich zu erscheinen. Außerdem sollten Sie Neugier mitbringen und mit Offenheit auf unsere Kollegen zugehen.
Was sind die drei größten Fehler, die einem Kandidaten bei einem Assessment Center unterlaufen können?
Heike Schirmer-Ditze (Henkel): Es gibt eigentlich nur einen Fehler, und der beruht vielleicht auf zu intensiver Vorbereitung. Es ist sehr wichtig, dass man natürlich und soweit möglich locker bleibt. Zu versuchen, sich auf eine Erwartungshaltung zu reagieren, und damit evtl. etwas darzustellen, was man ansonsten nicht verkörpert, also im Extremen eine Rolle zu spielen, ist für alle Beteiligten nachteilig.
Bianca Grafe (Ernst & Young): Der Bewerber sollte nicht unpünktlich erscheinen. Ein ungepflegtes Erscheinungsbild hinterlässt keinen positiven Eindruck. Weiterhin sollte der Bewerber nicht aufgeben, auch wenn eine Aufgabe schwierig erscheint und probieren, diese bestmöglich zu lösen.
Steht der Kandidat während des Assessment Centers unter ständiger Beobachtung, d.h. werden die Kandidaten auch in den Pausen beobachtet?
Heike Schirmer-Ditze (Henkel): Nein, es wird bei uns nur in den Übungen beobachtet, und das wird so auch klar kommuniziert. Das ist ein Aspekt unseres Konzepts, keinen künstlichen Stress zu erzeugen.
Bianca Grafe (Ernst & Young): Nur die einzelnen offiziellen Bestandteile des Assessment Centers fließen in die Bewertung mit ein. Die Begrüßung, die Pausen etc. werden nicht mit bewertet. Trotzdem sollte der Kandidat sich auch während dieser Zeiten von seiner besten Seite zeigen.
Bekommen die Teilnehmer nach einem AC eine individuelle Rückmeldung mit einer genauen Begründung, warum sie nicht ausgewählt wurden?
Heike Schirmer-Ditze (Henkel): In unserem Fall bekommt jeder Teilnehmer eine individuelle Rückmeldung, die seine Performance an dem Tag beleuchtet, und ihm letztlich begründet, wie es zu der jeweiligen Entscheidung gekommen ist.
Bianca Grafe (Ernst & Young): Die Teilnehmer erhalten nach dem Assessment Center, spätestens am nächsten Werktag, eine individuelle Rückmeldung zur Leistung und zum Ergebnis der Auswahlentscheidung.
Wird es in Zukunft mehr Online-Assessment-Center geben?
Heike Schirmer-Ditze (Henkel): Da sich dieses Instrument bei uns bewährt hat, kann ich mir vorstellen, dass zukünftig auch andere Unternehmen das Online-Assessment Center entdecken.
Bianca Grafe (Ernst & Young): Online-Assessment-Center sind nicht geplant.
Fazit:
Vor einem Assessment Center brauchst Du Dich nicht verrückt zu machen. Zur Vorbereitung ist es ratsam, sich genau über das Unternehmen zu informieren und eine Selbstpräsentation mit Deinem Werdegang vorzubereiten. Schauspielern ist bei einem Assessment Center tabu. Das Unternehmen will Dich so kennenlernen wie Du bist. Eine gute Vorbereitung ist aber dennoch wichtig und erhöht die Chancen einen überzeugenden Auftritt hinzulegen deutlich. Dafür kannst du Dich im in der Themenwelt Assessment Center im Absolventa-Karriereguide informieren. Und sollte es mit dem Job nach dem ersten Assessment Center nicht klappen, so helfen Dir die gewonnenen Erfahrungen für das nächste Mal sicher weiter.
Es antworteten Euch:
Heike Schirmer-Ditze, Henkel AG & Co. KgaA
Das Unternehmen ist in den drei Geschäftsfeldern Wasch- und Reinigungsmittel, Kosmetik und Körperpflege sowie Adhesives Technologies (Klebstoff Technologien) aktiv. Die Henkel AG und Co. KgaA beschäftigt weltweit über 52.000 Mitarbeiter.
Bianca Grafe, Ernst & Young AG
Neben der Wirtschaftsprüfung und der Steuerberatung besteht das Dienstleistungsangebot aus Transaktions-, Risiko- und Managementberatung sowie Immobilien- und M&A-Beratung. Weltweit arbeiten rund 135.000 Mitarbeiter für die Ernst & Young AG.
Hier geht es zum Teil 4 von "Absolventen fragen - Personaler antworten: Das Vorstellungsgespräch"
Auch die vergangenen Teile geben Euch Tipp für Bewerbung und den Berufseinstieg:
Teil 2 von Absolventen fragen - Personaler antworten: Kenntnisse und Erfahrungen kannst Du hier nachlesen
Teil 1 von Absolventen fragen - Personaler antworten: Die Bewerbung kannst Du hier nachlesen.
Hier findest Du eine Übersicht und Beschreibung der verbreitetsten Assessment Center Aufgaben.
Geschrieben in: Rund um die Bewerbung

















